Die Entscheidung für zwei neue Mitbewohner ist gefallen, das neue Schweinchenheim ist eingerichtet. Nun fehlen nur noch die Bewohner.

Aber welche Gruppenkonstellation passt zu mir und welche funktioniert auch?

 

Es gilt nicht einfach nur „zwei Meerschweinchen zu kaufen“

Ich erkläre alles gerne auch nochmal in einem persönlichen Gespräch J

 

Ich möchte euch hier ein paar Möglichkeiten aufzeigen und auch mit einigen Vorurteilen aufräumen.

 

Mein Ranking:

1.      Ein Kastrat und zwei oder mehr Weibchen à Artgerechteste und natürlichste Haltungsart

2.      Ein Kastrat und ein Weibchen à Artgerechteste und natürlichste Haltungsart, für Halter die nicht mehr als zwei Tiere möchten oder zwei junge Tiere

3.      Ein junges Böckchen und ein älteres Böckchen à zwei Jungs werden oft zutraulicher und verschmuster und es gibt keinen Zickenkrieg

4.      Ein junges Mädel und ein älteres Mädel à wenn es unbedingt zwei Mädels sein sollen

5.      Zwei junge Mädels à unter Beachtung, dass Platz für einen Kastraten im Notfall ist

 

Die Ränge 1 und 2 muss ich sicherlich nicht weiter begründen. Es ist die natürlichste Art der Haltung. Auch bleibt dem Halter die Möglichkeit offen, die Gruppe zu erweitern, falls man später noch ein oder mehrere Weibchen dazuhaben möchte. Durch diese Haltungsart lässt auch das Sozialverhalten der Tiere erst richtig beobachten.

Für die Haltung Kastrat und mehrere Weibchen, sollte der Kastrat ca. 6 Monate alt sein. In diesem Alter ist er schon „ein gestandener Mann“ und wird von den Mädchen auch ernst genommen. Das ist wichtig, damit er die Gruppe ordentlich führen kann. Sie würden sich ja auch nichts von einem 8-jährigen sagen lassen J

Wenn man lieber zwei junge Tiere möchte, dann ist die Haltungsart Kastrat und ein Weibchen zu empfehlen. Dank der Frühkastration haben wir die Möglichkeit, die kleinen Böckchen bereits mit 250g – 300g kastrieren zu lassen. Das klingt schlimmer als es ist und wird von den kleinen viel besser weggesteckt, als von den großen. Morgen kastriert, toben sie Abends schon wieder durchs Gehege.

Vorteile:

-        Die Jungs können bis zur Abgabe bei ihrer Mama bleiben und genießen die Schule in der Gruppe

-        Sie können sofort mit Erfüllung der Abgabekriterien mit einem Mädchen ausziehen und müssen keine 6-wöchige Frist absitzen, wie die großen Jungs

-        Wichtig: Sie sind körperlich kastriert und nicht im Kopf. Die Jungs wissen also ganz genau, wie man mit Mädchen umgeht J

 

Rang 3: Zwei Jungs

„Die beiden Jungs würden mir schon gefallen, aber Böcke stinken und vertragen sich nicht“ – eine Aussage, die ich oft von Käufern höre.

Zum Thema stinken: Sie dürfen gerne unverbindlich zur „Riechprobe“ vorbeikommen J
Es ist oft einfach eine Sache der Sauberkeit durch die Halter. Jedes Tier stinkt irgendwann, wenn es nicht regelmäßig gemistet wird.

Es kommt bei zwei Jungs auf die richtige Konstellation an:
Ein älterer Bock mit einem jungem Bock (Altersabstand sollte mindestens 6 Monate sein – außer in Kombination mit einem Frühkastraten) gibt es meiner Erfahrung nach selten Probleme.
Auch zwei erwachsene Böcke lassen sich in vielen Fällen sehr gut vergesellschaften, wenn sie beide in „Männergruppen“ aufgewachsen sind und somit das Verhalten unter Böcken gelernt haben. Wenn Sie zwei ältere Böcke aus unserer Zucht möchten, sitzen die beiden über mehrere Wochen bereits zusammen, sodass sich bis zur Abgabe zeigt, ob die beiden sich verstehen.
Zwei Babyböckchen sollten nicht zusammen gehalten werden. Sie haben keine Möglichkeit richtiges Sozialverhalten zu lernen und in den meisten Fällen kommt es in der Rappelphase oder bei anderen Streitigkeiten, die im Alltag eines jeden Meerschweinchen vorkommen, zu heftigen Streitereien.
Sie brauchen einfach einen Erwachsenen, der sie noch an die Hand nimmt – wie bei uns Menschen auch J

 

Rang 4+5: zwei Mädels

Sollte dennoch außer zwei Mädchen nichts Anderes in Frage kommen, empfehle ich die Haltung eines älteren und eines jüngeren Mädels (auch hier sollte der Altersabstand bei mindestens ca. 6 Monaten liegen).

Dass sich zwei Weibchen auf jeden Fall verstehen, stimmt so nicht.

Genauso wie bei den Jungs bereits beschrieben, brauchen auch die kleinen Mädchen noch jemanden, der sie an die Hand nimmt und ihnen zeigt, wie man sich als Meerschweinchen benimmt. Das ältere Tier übernimmt automatisch die Führungsrolle, die Rangfolge ist geklärt und es klappt in der Regel recht gut. Kleine Zickereien bei den Mädels sind völlig normal. Dieses „an die Hand nehmen“ ist bei gleichgeschlechtlicher Haltung besonders wichtig.

 

Bei zwei gleichaltrigen Mädchen sollte man sich vorher überlegen, ob man im Notfall Platz für ein drittes Tier, einen Kastraten, hat. Sollten sich die Mädchen nur noch jagen und zwicken, würde ein Kastrat die Streitereien schlichten und wieder für Ruhe in der Gruppe sorgen.